forum1.5: Impressionen der Frühjahrstagung „Transformationspfade regional gestalten“

Die dritte Auflage der Tagungsreihe „forum1.5“ hat mit dem Thema „Transformationspfade regional gestalten“ gezeigt, dass die Erarbeitung einer Nachhaltigkeitsplattform, die im Rahmen des vom Bayerischen Staatministerium für Umwelt und Verbraucherschutz finanzierten Forschungsprojektes RegioTransform für die Region Oberfranken etabliert werden soll, auf sehr großes Interesse stößt. Mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Themen von Energiewende, Flächensparen, transformativer Wissenschaft, regionalen Wertschöpfungsräumen, gutem Leben bis zu Urban Commons, haben sich die mehr als 100 Teilnehmenden am 27. und 28. April 2018 in unterschiedlichen Workshops beschäftigt. Darüber hinaus wurde die Veranstaltung von zwei Keynotes gerahmt, die dazu beigetragen haben, eine regionale Nachhaltigkeitstransformation in globale Strukturen einzuordnen.

Nach der Eröffnung durch Prof. Dr. Manfred Miosga von der Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung der Universität Bayreuth und einer Begrüßung durch Frau Dr. Judith Riedl vom Bayerischen Staatministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (Fördergeber), sowie durch Danielle Rodarius von RENN.süd – Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (Kooperationspartner) startete die Veranstaltung am Freitag mit einem Vortrag von Dr. Klaus Reuter. Dabei ging er anhand der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW, deren Geschäftsführer er ist, auf Herangehensweisen für die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung auf kommunaler Ebene ein.

Im Anschluss fanden sich die Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft in vier parallelen Workshops zusammen, um transdisziplinär über den Aufbau von regionalen Reallaboren zu unterschiedlichen Themen der Nachhaltigkeitstransformation zu diskutieren. Im Workshop „Mission Gesellschaft? Hochschulen zwischen Wissenschaftsfreiheit und Relevanzanforderungen“ ging es um die Rolle von Hochschulen im Hinblick auf eine regionale Nachhaltigkeitstransformation. Der zweite Workshop am Freitagnachmittag widmete sich dem Thema Flächensparen und Innenentwicklung und erarbeitete praxisnahe Instrumente für eine Verringerung von Flächenverbrauch. Der Workshop „Transformative Praxis im Alltag: Gemeinschaftliches Wohnen und Leben“ drehte sich um Erfolgsfaktoren und Hemmnisse bei der Gründung von kooperativen Wohnformen und welcher Beratungsbedarf daraus resultiert. Im vierten Workshop wurden für die Energiewende vor Ort innovative und resiliente Energieversorgungskonzepte diskutieren.

Am Samstagvormittag ging es direkt in die zweite Workshoprunde mit nochmals vier parallel stattfindenden Arbeitsgruppen. Im Workshop 1 wurde die Regionalwert AG Oberfranken unter dem Motto „Regionale Wege zur Agrarwende“ mit interessierten Stakeholdern diskutiert und innovative Projektideen vorgestellt. Im zweiten Workshop zum Thema transformative Praxis im Alltag stellte sich die Akademie für angewandtes gutes Leben vor und erprobte Werkzeuge und Methoden mit den Workshopteilnehmer_innen, um zu zeigen wie der innere Wandel hin zu einer transformativen Lebensweise angestoßen werden kann. Im Workshop 3 „WissenSchaf(f)tStadt? Chancen und Grenzen der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Zivilgesellschaft” wurden nachvollziehbare Kriterien für eine fruchtbare Zusammenarbeit von Wissenschaft und Zivilgesellschaft auf dem Weg zur Nachhaltigkeits­trans­formation (z.B. gemeinsame Sprache) erarbeitet. Der vierte Workshop thematisierte den Beitrag und das bisher ungenutzte Potential von Streuobstwiesen für eine Transformation zur Nachhaltigkeit und vernetzte dabei wesentliche Stakeholder aus der Region.

Die Ergebnisse der Workshops wurden in Podiumsdiskussionen und bei ausreichend Gelegenheit zum offenen Austausch, beim Umtrunk mit regionalen Produkten, vertieft und weiter diskutiert, sodass auch die unterschiedlichen Workshopthemen miteinander vernetzt wurden.

Zum Abschluss der Veranstaltung machte der renommierte Soziologe Prof. Dr. Stephan Lessenich von der Ludwig-Maximilians-Universität München darauf aufmerksam, dass „neben uns die Sintflut“ schon längst stattfindet, indem systematisch Armut und Ungerechtigkeit ausgelagert wird, die Verantwortung dafür im globalen Norden aber keiner übernehmen möchte. Daraufhin wurde intensiv im Plenum diskutiert, ob eine Politisierung auf unterschiedlichen Ebenen eine Notwendigkeit für den Ausweg aus dieser Externalisierung darstellt.

Die Tagungsreihe forum1.5 hat durch die wertvollen Beiträge der Vortragenden, Impulsgeber_innen und Workshopteilnehmer_innen viele Anregungen zusammengetragen, um transformative Reallabore in der Region Oberfranken anzustoßen. Als erstes konkretes Reallabor ist die Gründung einer Regionalwert AG Oberfranken (bei Interesse: www.regionalwert-oberfranken.de) zu sehen, die inzwischen seit dem Auftakt der Herbsttagung 2017 schon beachtlich an Fahrt aufgenommen hat. Weitere Arbeitskreise, u.a. zum Management von Streuobstwiesen und einer Initiative zur fahrradfreundlichen Kommune Bayreuth, sind gerade dabei sich zusammenzufinden und werden durch das Projekt RegioTransform weiterhin begleitet, unterstützt und wissenschaftlich aufgearbeitet.

Die Vortragsfolien und detaillierte Berichte der jeweiligen Workshops finden Sie in Kürze unter folgendem Link:

http://www.forum1punkt5.de/drittes-forum/dokumente/.

Es wurden viele spannende Aspekte diskutiert, die Anregungen geben an transformativen Reallaboren in der Region Oberfranken zu arbeiten. Dafür möchten wir uns bei allen Beteiligten herzlich bedanken!